Ad hoc Rezension: Über “Von Space-Schnaps und Wurmlöchern”

Meine Güte! Ist es tatsächlich schon auf den Tag genau sieben Monate her, dass ich hier etwas schrieb? Asche auf mein Haupt, aber zu meiner Entlastung muss ich angeben, dass ich seitdem zwei Hefte vorbereitet und gut auf den Weg gebracht habe, das CD Cover für das dritte Hörspiel von Alina Fox gestaltete, die Arbeit an MAD weiterging, sowie meine Autoren-Tätigkeit und ich natürlich meine Abschlussprüfungen an der Uni absolvierte.

Nun denn, da es eben schon eine Weile her ist, wage ich einmal etwas Neues und schreibe eine ad hoc Rezension. Soeben flog mir ziemlich ungefragt (was aber nicht weiter schlimm ist) ein Exemplar von Roland Roths “Von Space-Schnaps und Wurmlöchern – Wörterbuch für Hobby-Raumfahrer” aus dem Ancient Mail Verlag zu und ich dachte mir, ich schreibe meine Rezension ganz gerade aus und während ich das Werk lese. Quasi völlig ungefiltert hier also meine spontanen Gedanken zu dem 81 Seiten starken Heftchen, das der Autor selbst illustrierte.

Hierzu auch gleich die erste Bemerkung, da das Cover von einer solchen geziert wird: Naja. Ohne böse wirken zu wollen finde ich aber doch, dass die Illustrationen vielleicht von einem Profi gemacht hätten werden können. Nichts gegen den Charme von in langweiligen Physik-Stunden in der Schule entstandenen Hobby-Zeichnungen, aber ob diese wirklich verkaufsfördernd sind (außerhalb von 80er Jahre Underground-Fanzines) möchte ich mal dahingestellt lassen.

Die Coverzeichnung krankt ein wenig an ihrer Bildaufteilung, die von etlichem redundanten Inhalt dominiert wird, bis man im Verhältnis recht klein einen ziemlich mageren Gag wittert. Aber “never judge a book by its cover” und weiter geht’s…

Zunächst erwartet uns das Vorwort, in dem Roland Roth sein Vorhaben deklariert, auf den kommenden Seiten ein “mit dem nötigen bissigen und hintergründigen Humor” versetztes Nachschlagewerk für Space-Touristen zu bieten. Allein die Tatsache, dass er auf der ersten Seite wiederholt darauf hinweist, dass sein Buch ein “erfrischend illustrierter Guid” “auf komische Weise” ist, mit “verkappten Zeichnungen” und “dummen Sprüchen”, “nicht ernstzunehmen” und “nicht immer bierernst” macht das alles aber nicht witziger. Vielleicht wäre hier eben genau das Gegenteil angebracht gewesen: Mit bedeutungsschwangerem Ernst die Luft aus dem oftmals aufgeblasenem Science-Fiction Genre herauszulassen, anstatt penetrant auf den folgenden Humorgehalt hinzuweisen. Auch bleibt der Autor so die Erklärung schuldig, warum mich das als Leser prinzipiell interessieren sollte, setzt er doch voraus, dass dem so ist.

Als nächstes werden dann die Wörter in ihren jeweiligen Buchstabenkategorien durchexerziert und mit mehr oder minder humoresken Erklärungen versehen. Ein Beispiel vom Anfang:

“Absoluter Nullpunkt: Zeitpunkt, wenn ein Astronaut in einer Raumfahrerkneipe vom Tresen rutscht.”

Urgh. Nun muss ich gestehen, dass ich auf solche Witze eher mit einem grummeligen Stöhnen aus den Tiefen meiner Eingeweide reagiere, frage mich aber dennoch, was das mit dem Space-Touristen-Thema zu tun hat. Lässt man die Worte “Astronaut” und “Raumfahrerkneipe” weg, hat man den gleichen Gag und muss ihn nicht mühsam auf den Gegenstand des Buches brechen.

Aber kurz darauf sieht man, wovon sich der Autor inspiriert fühlte:

“Anhalter: Dreiste Typen, die versuchen kostenlos durch’s All zu schippern, ohne die üblichen Transmitter zu benutzen. Empfehlung der Kosmischen Verkehrsgesellschaft (KVG): Lesen Sie die Schmarotzer auf und befördern Sie sie anschließend ohne Raumanzug durch die Abfall-Schleuse.”

Wer gerade ein rollendes Geräusch vernimmt: Das ist Douglas Adams, der im Grab rotiert, ob der dumpfen Hommage an seinen “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy”.

Und all das geht nahtlos so weiter. Ein paar Seiten weitergeblättert und ich entdecke Wortspiele, wie sie schon mein MAD-Kollege Astalos seit gefühlten dreissig Jahren in seinem Almanach bringt:

“Sternzeit: Dies betrifft Uhren, die nach dem Mond gehen.” oder

“Traktorstrahl: Antriebsgerät eines interplanetarischen Landmaschinengeräts.”

Auch die Bildunterschriften zu den meisten Illustrationen verweigern sich konsequent einer Humorebene, mit der ich mich arrangieren mag. Unter einer der gelungeneren Zeichnungen, die mich vage an alte Perry-Rhodan-Leserbriefseiten erinnert und auf der zwei Astronauten in einen Krater mit dort lagernden UFOs blicken, steht: “Was deine Wette über Leben auf dem Mond angeht, hast du wohl verloren …!” Hm.

Im hinteren Teil des Büchleins finden sich dann ein “NASA Eignungstest” (mit möglichen Angaben beispielsweise unter “Erfahrungen mit der Raumfahrt”, die Star Trek, Star Wars, Futurama etc. referenzieren), eine Kurzgeschichte, weitere, viele Cartoons und sogar einige Comics. Nun werde ich hellhörig!

Okay, die Comics. Tja. Ist ja alles ganz einfach: Comics bestehen aus Quadraten mit Bildern gefüllt und Sprechblasen mit Witzen. Stimmt’s? Kann ja jeder. Bei solchen Sachen fühle ich mich ehrlicherweise etwas auf den professionellen Schlips getreten und ich würde den Autoren gerne auf meinen Comiczeichenkurs bei Aicomic.com hinweisen, damit klar wird, dass man dieses Medium beherrschen sollte (oder sich zumindest damit beschäftigen), bevor man in ihm arbeitet.

Ich schreibe ungerne negative Kritiken, nicht zuletzt auch, da ich weiß, wieviel Arbeit in dem vorliegenden Band stecken muss (und ich natürlich über meine eigenen Comics auch nicht so gerne negative Kritik lese), doch “Von Space-Schnaps und Wurmlöchern” hat mich gerade mal so gar nicht überzeugt. Tut mir leid.

Auf dem Buch selbst kann ich keinen Preis entdecken, aber dem Anschreiben entnehme ich, dass das Paperback für 8,90 Euro beim Ancient Mail Verlag in Groß Gerau zu haben ist. Ich empfehle hingegen einen erneuten Blick in Douglas Adams’ “Per Anhalter durch die Galaxis”-Reihe oder wahlweise in die “Adams van Ghoot” Hörspielreihe von Oliver Wenzlaff zu hören oder alte Episoden von Elmar Hörigs “Käpt’n Kipp Dotter” herauszuholen, wenn man da noch rankommt…

2 Responses

  1. Michael Burmann Says:

    Hallo, erst einmal ein dickes Lob zu Ohren Blog. In Kurs 5 schrieben Sie, dass man sich bzgl. Anatomie der Figuren Modelle anschauen sollte. Sollte man unbedingt einen Aktzeichenkurs besuchen, oder gibt es Alternativen? Vielen Dank! Viele Grüße! Weiter so. :-) MB

  2. admin Says:

    Hallo lieber Michael,

    vielen Dank für das Lob – ich hoffe, im neuen Jahr auch wieder ein bisschen aktiver auf allen Blogs (also alinafox.de und comicwerk.com) sein zu können.

    Zu Ihrer Frage: Mir hat der Besuch von verschiedenen Aktzeichenkursen damals tatsächlich gut weitergeholfen, nicht zuletzt, da man es dort nicht mit Topmodels oder Superhelden zu tun hat, sondern mit normalen Menschen mit allen Vorteilen und Schwächen.
    Aber man kann natürlich auch Freunde und Bekannte fragen, ob sie als Modell herhalten wollen (mit oder ohne Kleidung ;) ). In einem ersten Schritt kann man auch versuchen, die eigenen, sichtbaren Körperteile abzuzeichnen oder sich nötigenfalls auch an Fotos halten (hierbei ist allerdings Vorsicht geboten, da die Perspektiven und Größenverhältnisse in der Zeichnung dann oftmals seltsam wirken).
    Vielen Dank für den Kommentar und das aufmerksame Interesse!

    Liebe Grüße
    Daniel Gramsch

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